Interview zur Soli-Tour

[…] „Wir sind Alis Freunde.“ erzählt Jessika TV2, “ […] und helfen Ali aus freien Stücken. Unsere Gruppe besteht aus jungen ausländischen Student_innen und welche, die ihr Studium schon beendet haben. Zur Zeit sind wir 10 Leute, aber die Anzahl ändert sich ständig. Es gibt viele Sympatisant_innen und es helfen uns immer Leute, die nicht Teil der konstanten Gruppe sind und es werden mit jeder Veranstaltung mehr.

TV2: Kennt ihr Ali Feruz persönlich?
J: Fast alle Mitglieder unserer Gruppe haben Ali in Moskau vor zwei-drei Jahren über gemeinsame Freunde aus der Menschenrechtler_innen- bzw. Aktivist_innenszene kennengelernt. Ich persönlich habe Ali im Sommer 2015 in Moskau kennengelernt. Seit dem sind wir befreundet. Ein Teil der Gruppe Unterstützt Ali seit 2016, als er das erste mal eine Ablehnung für seinen Antrag auf politisches Asyl bekommen hat. Vereinigt hat sich die Gruppe im August 2017 nach der Verhaftung von Ali.

TV2: Wie kam es zur Idee Solidaritätsabende für Ali durchzuführen?
J: Ich kenne Ali als einen lebensbejahenden und fröhlichen Menschen. Ali kann mit Menschen reden, sie verstehen und kann über ihre Probleme schreiben. Jetzt kann er seiner Berufung als Journalist nicht nachgehen. Eingesperrt und die Angst vor der Abschiebung, Unklarheit und Unsicherheit wirken auf Alis physischen und psychischen Zustand.  Er hat eine schwere Depression, leidet an Panikattaken und hat oft keine raft mit Freunden zu telefonieren. Manchmal scheint es mir, dass er alle Hoffnung verloren hat. Und unsere erste Motivation war der Wunsch Ali in der Gefangenschaft moralisch zu unterstützen, die Isolation zu durchbrechen und ihm zu zeigen, dass er nicht allein ist und uns sein Schicksal nicht gleichgültig lässt.  Wir bemühen uns ih zu motivieren, uns aus der Haft zu schreiben, sein Tagebuch fort zuführen und den Kontakt zur Welt zu halten.

TV2: Wie verliefen eure Aktionen und in welchen Städten?
J: Die Moskauer Gruppe – ähnlich wie unsere Gruppe – organisierte viele unterschiedliche Veranstaltungen. Die bekannteste ist wohl die Lesung von ALis „Tagebuch“ im Teater.doc. Unsere Gruppe organisierte vier halböffentliche Solidaritätsabende in Irkutsk, Omsk, Krasnojarsk und Tomsk. Wir wollen so viele wie möglich weitere Veranstaltungen in Russland und Europa durchführen. Die Kampagne läuft so lange, bis Ali frei ist.
Wir berichten über Alis Leben, über die Repression gegen ihn, lesen seine Publikationen und sein Tagebuch. Wir sprechen über die Situation von Migrant_innen und Geflüchteten im Allgemeinen, über Rassismus und Gewalt, von denen sie in Russland betroffen sind. Denn Ali ist einer von vielen, und weil sein Fall so gut bekannt ist, hat er so viel Unterstützung. Die anderen Geflüchteten haben das nicht, sie werden einfach heimlich aus dem Land abgeschoben.  Und wir wollen, dass Ali ein Symbol für alle wird, die in Russland illegalisiert sind, ihr Sprachrohr. […]

TV2: Seid ihr bei euren Veranstaltungen auf negative Reaktionen oder auf Einschränkungen durch die Polizei getroffen?
J: Bis jetzt nicht. Aber ich benachrichtige immer im Voraus die Organisator_innen in den Städten, dass ich nicht auf homophobe Kommentare oder gar eine Störung der Veranstaltung treffen möchte. Wenn das garantiert werden kann, dann kommen wir.
Unser Plan ist es, enger mit der moskauer Gruppe zusammenzuarbeiten, damit wir gleichzeig stattfindende Veranstaltungen machen können.
Und außerdem wollen wir Spenden für Ali sammeln. Jetzt in der Gefangenschaft kann er nicht arbeiten und demantsprechend nicht selbst für seinen Anwalt und seine Familie aufkommen.

TV2: Denkt ihr Ali wird freigelassen?
J: Die Politiker können Ali nach Europa reisen lassen. Aber wollen sie das? Und können wir diese Entscheidung über Bürgerinitiativen beeinflussen?
Mir scheint, es gibt trotz der schwierigen Umstände Hoffnung. Das Urteil des Höhere Gericht bezüglich Alis Widerspruch hinsichtlich des Urteils zur Abschiebung vom Moskauer Gerichts ist ein gutes Zeichen.
Es nähern sich die Präsidentschaftswahlen und die Fußball-WM, die in Russland stattfindet. Wenn sie Ali jetzt frei lassen, kann die Regierung ihren Ruf vor aller Welt ein bisschen aufbessern.
Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die politischen Beziehungen zwischen Usbekistan, die seien Deportation fordern und Russland so schlecht sind, dass sie wegen der Verweigerung einer Abschiebung ins schwanken kommen.

Jetzt, nach dem die Enstcheidung über die Deportation geändert wurde ist das wichtigste, dass wir Ali weiterhin unterstützen. [1]

[1] tv2.today, 02.02.2018

 

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.